Was vor der Sprache kam

Nonverbale Kommunikation über Distanz

Andreas Wimmer

Interaktive Medien BSC

Supervision
Prof. Dr.-Ing. Alexandra Teynor
Prof. Andreas Muxel

Auf der Werkschau
K-Gebäude EG: K 1.01

Das Konzept für „Was vor der Sprache kam“ wurde von den Spuren, die wir Menschen in unserer Umgebung hinterlassen inspiriert. Spuren können in drei Kategorien unterteilt werden. Zum einen gibt es die Spuren, die der Körper hinterlässt, ohne dass bewusstes Handeln stattfindet. Dazu gehören Fußspuren im Sand, Handabdrücke auf einer Glasscheibe oder auch der Schatten auf einer Kinoleinwand, auch wenn dieser vergänglich ist. Eine andere Form von Spuren wird durch Handlungen als ungewollter Nebeneffekt hinterlassen. Wenn zwei oder mehr Menschen zusammenleben, werden diese Spuren besonders sichtbar. Gegenstände in der Wohnung stehen auf einmal an einem anderen Ort als am Tag zuvor. Auf der Küchenablage steht dreckiges Geschirr des Mitbewohners oder man sucht vergeblich die Schere in der Küchenschublade, weil sie irgendjemand verlegt hat. Die dritte Art von Spuren sind solche, die ganz bewusst hinterlassen werden, um zu sagen „Ich war hier“. Dazu gehören unter anderem Kritzeleien auf der Schulbank oder Graffiti an Hauswänden. Ob sie nun bewusst oder unbewusst hinterlassen wurden, tragen diese Spuren eine Botschaft in sich. Sie sind ein Zeichen für unsere Anwesenheit, das weit über den Ort, an dem wir uns befinden hinausreicht.

Als Inspiration für das Projekt fungierte die Spur eines Handabdrucks. Die Hand wird wie ein zweidimensionales Hologramm, als Lichtprojektion dargestellt. So ermöglicht die Installation zwei Personen sich gegenseitig an der Hand zu berühren. Visuell erinnert das Projekt an eine Schreibtischlampe. Davon besitzen beide Personen jeweils ein Exemplar. Im Lampenschirm ist eine Kamera verbaut, die den darunterliegenden Bereich aufzeichnet und ein Projektor, der den Handumriss auf den Tisch projiziert. Sobald eine der beiden Personen ihre Hand unter die Lampe bewegt, wird die Hand erkannt und erscheint als Lichtprojektion bei der anderen Person. Wenn der Lichtumriss die echte Hand berührt, wird ein Ventilator angesteuert, der einen Luftstrom erzeugt. Die Berührung des Handabdrucks kann durch den Wind haptisch erfahren werden. Das Prinzip von Aktion und Reaktion ist dabei von zentraler Bedeutung. Auf jede Aktion folgt eine nahezu unverzögerte Reaktion des Partners. Erst durch die Integration des Tastsinnes wird die Berührung als solche erkannt.