Wer schön sein muss,... – Konzeption und Gestaltung einer Kampagne gegen die Qualzucht bei Hunderassen

„Und es gibt Fälle, da ist der Mops vom Sofa gesprungen und ihm ist ein Auge rausgefallen!“

Dieser Satz ist mir im Kopf geblieben. Er stammt aus einem Video auf Instagram, welches eine berliner Tierärztin auf ihrem Account postete und mich zum Thema meiner Abschlussarbeit motivierte. Qualzuchtrassen sind in unserer Gesellschaft eine kaum hinterfragte und kritisierte Normalität. Sie laufen uns täglich mehrfach über den Weg. Von Qualzucht spricht man, wenn bei der Zucht von Tieren durch die Förderung bestimmter opt­ischer Merkmale Schmerzen, Fehlbildungen und andere gesundheitliche Schäden aus wirtschaftlichen Gründen in Kauf genommen werden. Rassen wie der Mops, die französische Bulldogge oder der Chihuahua leiden unter dem brachycephalen Syndrom (Kurzköpfigkeit). Viele dieser Tiere erleben ständige Atemnot. Verheerender Weise wird das dadurch verursachte Röcheln, welches wir aus hunderten Videos auf Social Media kennen, oft als zufriedenes Schnurren oder Schnarchen fehlinterpretiert. Dabei handelt es sich um das hörbare Zeichen um das Ringen nach Luft. Es ist das Symptom einer schweren Erkrankung, bei der der Hund beständig das Gefühl hat zu ersticken. Viele dieser Tiere versuchen Nachts im sitzen zu schlafen, um den Erstickungstod in der Nacht zu entgehen. Die Liste der Beschwerden und Probleme ist lang und schockierend. Der Begriff "Qualzucht" wird in Deutschland nicht in Verbindung mit der Zucht von Hunderassen gebracht. Besitzer*innen und Liebhaber*innen wissen oft nicht, wie sehr die Tiere täglich unter ihrem Erscheinungsbild leiden. Die Entscheidung bei der Rassewahl wird überwiegend durch die optischen Wünschen geprägt. Die Nachfrage dieser Tiere steigt so stetig an und wird durch Social Media und die Werbeindustrie weiter gepushed. Die Aufklärung unserer Gesellschaft für dieses Thema ist längst überfällig. Da es auf politischer Seite hier keinen effektiven Lösungsweg gibt, habe ich in meiner Arbeit ein Konzept entwickelt, um auf anderer Ebene gegen Qualzuchtrassen zu wirken.

Morgenhund ist eine Website, die durch Beeinflussung der Rassewahl die Nachfrage von Qualzuchtrassen eindämmt. Die Herangehens- und Wirkungsweise dieses Konzeptes unterscheidet sich dabei von den klassischen und bereits existierender Kampagnen im Bereich Tier- und Umweltschutz. Die Idee baut auf eine genau Analyse der Zielgruppe und der Kommunikation und Interaktion mit dieser. Dabei greift der Mechanismus der Website genau an der Stelle, wo die Nachfrage für Qualzuchtrassen geschaffen wird. Morgenhund wirkt indirekt und diskret. Für Nutzer*innen ist nicht erkenntlich, dass es sich hierbei um eine Aktion gegen Qualzucht handelt. Die Website erweist sich als praktisches Tool bei der Suche nach der perfekten Rasse und allen weiteren Fragen und Themen rund um den Hund.

Durch die Nutzung einer Website wie Morgenhund wird zur kritischen Beurteilung mancher Hunderassen angeregt und die Normalität ihrer Existenz in Frage gestellt. Vielen Hunden kann so ein Leben mit Qualzuchtmerkmalen erspart bleiben. *Loriot sagte einst: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“ Aber wieviel Sinn macht ein Leben als Mops, wenn dieses von täglichen Qualen bestimmt wird und die Schuld daran wir Menschen tragen.*

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