Das Zusammenleben mit den Anderen

- eine künstlerische Auseinandersetzung

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit dem Thema Zusammenleben auseinandergesetzt. Während meines vorangegangenen Auslandssemesters in Paris, habe ich bei einer mir zu Beginn fremden Familie, einer Mutter und ihren zwei ausgewachsenen Töchtern, gewohnt. Persönliche Fragen, die ich während dieser zeit notiert habe, die sich mir, an meine Gastfamilie gerichtet, gestellt haben, hinterfragen und beschreiben verschiedene allgemeine Aspekte des Zusammenlebens. Sie zeigen das Aufeinandertreffen verschiedener Verhaltensweisen, Erfahrungen und individueller Vorstellungen, das ein Zusammenleben ausmacht.
Link: Fragen
Nach meiner Rückkehr zu meiner eigenen Familie, versuchte ich für zwei Monate alles festzuhalten, was mich an das vergangenen halbe Jahr erinnerte: Die notierten Erinnerungen vergleichen, die neu gemachten Erfahrungen mit dem gewohnten, jetzt neu erlebten Zusammenleben mit meiner Familie. Einem gewohnten, vertrauten Zusammenleben, in dem man aufgewachsen ist, dem man mit Intuition und unterbewusst verinnerlichtem Verhalten begegnet. Malereien von meiner Familie mit Kommunikationsausschnitten zeigen den Gegensatz dieses mir fremden Zusammenlebens: Situationen vertrauter direkter Kommunikation und Interaktion mit den Anderen des Zusammenlebens.
Wie und wo kommunizieren/interagieren wir auch indirekt mit dem Anderen in der Form des Zusammenlebens?: Wie definiert sich der Andere durch Gegenstände und Besitz? In welchem Bezug stehen wir zu den Gegenständen, die uns umgeben? Wie wird der zur Verfügung stehende Raum genutzt? Wie verhalten wir uns zueinander im Raum? Wie bewegen wir uns im Raum, wo halten wir uns auf? Wie wird der gemeinsam zu nutzende Raum genutzt und definiert?
Link: 24h Aufenthalte
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Durch die Dokumentation des Esstisches (fünf Tage, alle vier Stunden), die Erstellung von Kategorien und die Unterordnung der sich auf dem Esstisch befindenden Gegenstände in die Kategorien, als auch durch die Erstellung eines Videos, das die Aufenthaltsorte meiner Familie (samt unserer Katze) (pro Minute in einem Zeitraum von 24h), die zuvor durch ein selbstkreiertes Zettelsystem erfasst wurden, zeigt, werden auch diese Aspekte des Zusammenlebens untersucht. Und mit der Unsicherheit des Zusammenlebens mit der französischen Familie verglichen.
Drei Interviews mit meiner Familie, mit meiner Mutter, meinem Vater und meiner Schwester, in denen ich mich mit der jeweiligen Person über jeweils einen Teil meiner künstlerischen Arbeit, die Fragen, die Esstischdokumentation und das 24h-Video unterhalte, zeigen, unter anderem wie diese Untersuchung von den Beteiligten wahrgenommen wurde und weitere Aspekte der jeweiligen Arbeit.
Link: 1
Link: 2
Link: 3
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Mit meiner Thesis, die Teil der künstlerischen Arbeit ist, verknüpfe ich meine Untersuchung mit gelesener Lektüre, indem ich Folien, die ich in die Bücher/ Hefte klebe mit Notizen in Form von Anmerkungen, Verweisen, Fragen, etc versehe.
Die Vielfalt und die Komplexität des Zusammenlebens und des Anderen werden sichtbar: Ein Zusammenleben geprägt von Ambivalenzen und Ambiguität ohne nach einem generell funktionierenden Modell des Zusammenlebens oder Möglichkeiten dieses zu optimieren zu suchen. Ein Modell, das individuell verschieden wäre aufgrund verschiedenster Erfahrungen und Vorstellungen.
"Einem Menschen begegnen heißt so Lévinas, "von einem Rätsel wachgehalten werden"" - Byung-Chul Han: Die Austreibung des Anderen

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