Atlaska – Gestaltung einer Serifenschrift in zwei Schnitten

Typedesign zum Anfassen

Die Atlaska ist ein interpretiertes Revival einer Serifenschrift aus dem frühen 20. Jahrhundert. Ihre besonderen Formen und Charakterzüge heben sie von anderen Schriften ab. Dazu gehören die dynamischen Bäuche, der nach oben versetzte Mittelstrich, als auch die in die Unterlänge ragenden Schwünge. Die Originalschrift zur Atlaska ist die Romana artistica. Gefunden habe ich diese im Buch: „Die Praxis des modernen Maschinenbauers – Modellatlas“ von Walter Häntzschel-Clairmont, veröffentlich durch den Hermann Zahn Verlag Berlin, 1904. Wie viele anderen Schriften, wurde wahrscheinlich auch die Romana artistica nie digitalisiert und ist somit in Vergessenheit geraten. Die Atlaska greift ihre Grundelemente auf, wird aber neu interpretiert und durch eine neue, eigenständige Kursive erweitert. Schriftgestaltung lässt sich oftmals auf das Schreiben mit der Feder zurückführen. Wie schon der Regular-Schnitt, bezieht sich auch die Kursive auf die Breitfederkonstruktion. Beide Schnitte besitzen eine schräge Achse und lassen sich als Renaissance Antiqua oder Romanische Antiqua einordnen. Was die Atlaska Italic auszeichnet, ist ihre laufende Konstruktion. Die imaginäre Feder wird beim Schreiben gar nicht oder kaum abgesetzt, wodurch das typische An- und Abstrichverhalten entsteht, das die Serifen ersetzt. Die Kursive dient als Auszeichnungsschrift zur Geradestehenden. Gemeinsam im Textbild harmonisieren sie und bilden eine Einheit, indem die Kursive alle wichtigen Alleinstellungsmerkmale übernimmt und die Gestaltungselemente mit eingearbeitet werden. Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal der Atlaska ist dabei die Rundung der Serife. Die Serife ist gekehlt und bildet zur Grundlinie hin zusätzlich eine leichte Kurve. Genau diese Kurve wird in fast jedem Buchstaben der Atlaska Regular, als auch Atlaska Italic aufgegriffen. Hierdurch entsteht eine noch größere Einheit zwischen den beiden Schnitten.

Damit beide Schnitte derselben Schriftfamilie zugeordnet werden können ist es wichtig, dass die kursive Version die gleiche x-Höhe, als auch ungefähr den selben Grauwert wie der Regular-Schnitt besitzt. Dadurch unterscheidet sich die Italic-Version vor allem durch ihre geschwungenen, dynamischen Formen und ihre Rechtsneigung. Sie hebt sich dezent vom Regular-Schnitt ab und kann im Fließtext gut davon unterschieden werden. Da sie den Lesefluss nicht stört, sondern sich gut ins Textbild eingliedert gehört sie zur filigranen Art der Textauszeichnung. Meistens wird Schrift nur zweidimensional abgebildet. Mein Ziel aber war es Schrift begreifbar zu machen. Deshalb habe ich mich dafür entschieden die einzelnen Buchstaben in 3D zu drucken.

Durch den 3D Druck wird die Ebene der Haptik hinzugefügt. Die Buchstaben können angefasst und die Formen gefühlt werden. Rundungen oder Innenräume können abgetastet und miteinander verglichen werden. Dies macht auch Typedesign zugänglicher, da die einzelnen Elemente mit den Sinnen wahrgenommen und die Wiederholung der Formen ertastet werden können.

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